Die Psychischen Prozeduren, die wir in unserem dualen Leben durchlaufen
1. Formgebung (innere Sichtweise, innere Wertschätzung, welche Form/welches Design ich mir gebe – Frisur, Kleidung, Mimik, Gestik, Haltung, Sprache, ...)
2. die Funktionsweise (wie ich funktioniere, wie ich meine Rolle definiere)
3. die Struktur und die Ordnung (wo ich mich verorte, meinen Platz sehe)
4. die Abhängigkeiten von den anderen Systemen (wie funktioniere ich im Zusammenhang mit anderen Systemen; Harmonie – normal, Disharmonie – bin ich falsch?)
5. die Zusammenhänge (zwischen allen Systemen, abstrakt und über Logik, Existenzberechtigung durch bsp. meine nie gesehenen Ururgroßeltern, bsp. Licht kommt nicht aus der Wand, jmd hats erfunden etc. und unterstützt meine Existenz)
-> Ebenen, die wir kritisch hinterfragen können um hinter die Dualität zu kommen
Hue Hy - 9. Jan, 15:36
Substanzlosigkeit
Nicht-Kennzeichnen
Nicht-in-Betracht-ziehen
Aus diesen Bestandteilen besteht sunyata, die Leerheit, die wirkliche Existenz.
Für Buddhisten sind diese Bestandteile wie ein Kaugummi, das wir immer wieder durchkauen, auf das hin wir unsere Prozesse immer wieder prüfen. Unser „6-Schritte-Programm“, wenn wir uns mit unserem Leben auseinandersetzen.
Meistens müssen wir mit dem letzten Schritt anfangen, weil unser Geist so schnell in seinen Mechanismen ist. Nach und nach schaffen wir es immer früher einzuhaken und unser Bewusstsein zu stoppen und die Gewohnheitsstruktur zu verändern.
Ich ziehe dann nicht einmal mehr in Betracht, dass jemand doof sein könnte. Ich kennzeichne ihn nicht als doofe oder nicht-doofe Person. „Doof“ hat keine Substanz für mich, keinen Inhalt, bedeutet nichts. Ich habe nicht die Annahme, dass jemand doof ist. Ich lasse das ungute Gefühl los, sobald es in Erscheinung tritt. Ich praktiziere GleichGültigkeit mit allem.
Andersherum – ich bewerte und beurteile, dass jemand doof ist im Unterschied zu mir. Ich halte an dem Gefühl fest, dass jemand doof ist. In mir entsteht die feste Annahme und das Konzept, dass diese Person doof ist, ich verteidige meine Annahme. Doof hat für mich eine Substanz, eine bestimmte Bedeutung, besteht aus bestimmten Komponenten. Ich kennzeichne – das ist doof, das ist nicht doof. Ich ziehe für alles und jeden in Betracht, der/die/das könnte doof oder nicht doof sein.
Hue Hy - 9. Jan, 15:31
LosLösung -
Indem ich etwas loslasse, entsteht oft bereits eine Lösung. Gelassenheit und Ruhe unterstützen das Loslassen. In Streitsituationen ist es beispielsweise heilsam den Streit einen Tag ruhen zu lassen. In der Zwischenzeit verändern sich die Emotionen, mehr Gelassenheit und Ruhe entstehen, ich habe etwas davon losgelassen, definiere mich nichtmehr so stark über die im Gestern liegende Emotion. Ich bin der Lösung einen Schritt näher gekommen. Im Festhalten liegt der Konflikt. Im Loslassen liegt die Lösung. Streit verschärft den Dualismus. Ruhe und Gelassenheit führen zu Gleich-Gültigkeit.
Abwesenheit von einer Grundlage -
Die Abwesenheit einer Grundlage meint die Abwesenheit einer Annahme, eines Konzeptes.
In einem Gespräch verwirkliche ich dies, indem ich einen freien Raum schaffe für unseren Austausch. Ich habe keine Annahme über deinen Standpunkt. Ich nehme ihn gleich-gültig so an, wie er ist. Ich habe meinen Standpunkt, du hast deinen Standpunkt, sie stehen individuell nebeneinander. Die Abwesenheit einer Grundlage ist essentiell für die „open-space“-Gesprächstechnik. Es gibt kein Konzept, das ich verteidigen muss.
Hue Hy - 9. Jan, 15:29
Ein Teil der Gleich-Gültigkeit lässt sich für mich am besten mit All-Gleichheit übersetzen. Alle sind gleich. Wir sind individuell, insofern verschieden, dennoch sind wir gleich, wir sind alle Lebewesen. Aus diesem Grundsatz leitet sich beispielsweise die Regel nicht zu töten ab.
Jeder hat seine einzigartige Geschichte, seine eigenen Gründe für das, was er oder sie tut. Alle stehen nebeneinander. Alles hat seine Existenzberechtigung. Wenn du wütend bist, wenn du traurig bist, wenn du fröhlich bist, alles hat seine Existenzberechtigung. Ich kann nicht sagen – du bist wütend, also bist du blöd. Du bist traurig – das ist falsch. Alles ist gleich gültig. Diese Sichtweise bezieht sich auch auf Mörder und Räuber. Sie haben ebenso ihre Existenzberechtigung oder auch Existenzprozedur. Das Verhalten ist ein Symptom der individuellen Geschichte.
Indem ich das Symptom nicht auf mich beziehe – beispielsweise Wut – kann ich es gleich-gültig sein lassen. Ich weise es weder zurück, noch mache ich es zu mir selbst. Wenn ich merke, jemand ist wütend, und beziehe diese Wut auf mich, mache ich die Wut zu mir selbst und identifiziere mich mit ihr, beginne meinerseits zu reagieren auf Grund von Annahmen. Wenn ich die Wut zurückweise, bewerte ich sie ebenfalls und handle im Sinne des Dualismus, definiere mich über die Wut.
Hue Hy - 9. Jan, 15:28
Zeit und Raum sind variabel, nicht linear.
Wenn ich eine Papierserviette verbrenne, löst sie sich in die Komponenten Wärme, Asche und Rauch auf. Sie ist immernoch da in umgewandelter Form. Eines Tages tritt sie vielleicht wieder als Palmblatt in Erscheinung, als Holz, wird wieder zur Serviette verarbeitet und für mich als Papierserviette sichtbar. Sie ist immer da. Buddha hat gesagt, er kann mit seinem Bewusstseinsstrom in der Zeit und zwischen den Ebenen reisen. Quantenphysik bestätigt die Theorie der Zeitreisen. Wir verändern unseren Bewusstseinszustand und können dadurch in der Zeit reisen. Zeit ist nicht linear. Um mich herum sind unzählbare Variablen. Mein Geist ist so getaktet, dass ich in diesem Augenblick in diesem Bewusstseinsstrom wahrnehme.
Hue Hy - 9. Jan, 14:12
...
Wir entscheiden selbst über unsere Gefühlszustände. Wir sind der Täter. Durch unsere Tat beeinflussen wir die Tatsache. Wir entscheiden auch, ob wir uns mit dem Gefühl aus der Vergangenheit identifizieren wollen. Wollen wir immer wieder in die gleichen Muster verfallen? Wollen wir unsere Erfahrungen immer wieder reproduzieren?
Unser Ziel ist es im Fluss zu sein. Etwas entsteht, vergeht. Ohne Reproduktion der Vergangenheit mit dem Jetzt im Fluss zu sein, mit der Wirklichkeit in Kontakt zu stehen. Indem ich Erfahrungen reproduziere lebe ich in meinen Illusionen und Phantasien, ohne mit der Realität im Kontakt zu sein. Ich entscheide selbst. Ich bin Täter.
Hue Hy - 9. Jan, 13:36